Beim Jahresfest der Bewegung für Neutralität (Lokalgruppe Zürich) im Restaurant Mohini in Zürich sprach der Militärstratege Ralph Bosshard über völkerrechtliche Grundlagen und strategische Herausforderungen der Schweizer Neutralität. Der Vortrag spannte den Bogen von 1799 bis zur Gegenwart – und plädierte für Klarheit, Wehrhaftigkeit und Selbstbewusstsein.
Am Samstag, 14. Februar 2026, lud die Lokalgruppe Zürich von bene.swiss zum Jahresauftakt unter dem Titel «Neutralität betrifft uns alle» ins Restaurant Mohini. Ab 13.30 Uhr trafen die Gäste ein, musikalisch begleitet von François Thurneysen. Nach der Begrüssung durch Vorstandsmitglied Ariet Güttinger und einer Vorstellung der Lokalgruppe stand der fachliche Höhepunkt des Nachmittags auf dem Programm: der Vortrag von lic. phil. Ralph Bosshard.
Bosshard, Oberstleutnant im Generalstab a.D. und von 2014 bis 2020 militärischer Sonderberater des OSZE-Generalsekretärs, sprach über «Völkerrechtliche Grundlagen und militärische Perspektiven einer neutralen Schweiz». Seine Analyse verband historische Tiefenschärfe mit strategischer Gegenwartsdiagnose.
Der Referent erinnerte daran, dass die Schweiz seit dem Zweiten Koalitionskrieg 1799 immer wieder Kriegsschauplatz oder zumindest geopolitisch exponierter Raum gewesen sei. Nach der Neuordnung Europas am Wiener Kongress 1815 fungierte sie als neutraler Puffer im Konzert der Grossmächte. Dieses Modell habe über Jahrzehnte Stabilität ermöglicht – sei jedoch durch Nationalismus und Machtverschiebungen stets gefährdet gewesen.
1914 wie 1939 habe sich gezeigt, dass Neutralität nur glaubwürdig bleibe, wenn sie bewaffnet und verteidigungsfähig sei. In einer europäischen Ordnung ohne funktionierendes System kollektiver Sicherheit – Bosshard verwies auf das Scheitern der Vorkriegsdiplomatie – sei sie für die Schweiz die «einzige verbleibende Alternative» gewesen. Neutralität dürfe jedoch nie opportunistisch sein, sondern müsse konsequent gelebt werden.
Rechtlich stütze sie sich auf die Haager Abkommen von 1907: Kein Transit fremder Truppen, keine militärische Nutzung des eigenen Territoriums, keine Duldung von Verletzungen des Staatsgebietes. Generell: Ein neutraler Staat darf keine der Konfliktparteien militärisch unterstützen. Gleichzeitig sei Neutralität kein moralisches Werturteil, sondern ein klar definierter Rechtsstatus.
Mit der Gründung der UNO 1945 habe sich der Rahmen verändert, doch das System kollektiver Sicherheit bleibe unvollkommen. Bosshard kritisierte strategische Narrative von EU und NATO, die eine exklusive Deutungshoheit über «europäische Werte» oder Sicherheit beanspruchten. Daraus entstehe politischer Druck auf neutrale Staaten. Die zugespitzte Frage, ob Neutralität «pro Putin» sei, greife zu kurz – sie verkenne Wesen und Funktion des Neutralitätsrechts.
Sein Fazit fiel deutlich aus: Dauerhafte Neutralität sei möglich, wenn sie militärisch abgesichert und begrifflich sauber definiert werde. «Neutralität braucht Schutz», betonte Bosshard mehrfach.
Links
Ralph Bosshard, Oberst i. Gst. a. D.
Selbständiger Analytiker für militär- und politstrategische Analysen
https://globalbridge.ch/author/ralphbosshard/
Bewegung für Neutralität
https://bene.swiss
Artikel Transition News: Neutralität unter Druck – warum die Schweiz mehr sein muss als scheinen
https://transition-news.org/neutralitat-unter-druck-warum-die-schweiz-mehr-sein-muss-als-scheinen
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Ralph Bosshard: Völkerrechtliche Grundlagen und militärische Perspektiven einer neutralen Schweiz
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